Skip to content

Glutamat

17. August 2014

Körnchen des Anstosses?

Körnchen des Anstosses?

Die scharfen Sperberaugen diverser BloggerInnen haben in meinem Gewürzschrank hier den charakteristischen gelben Streuer erkannt, der entweder Fondor (von Maggi = N.estlé) oder Aromat (von Knorr = U.nilever) oder das Nachahmerprodukt eines schweizerischen Lebensmittelriesen sein muss.

Ertappt! 🙂 Muss ich mich jetzt schämen? Nein, aber ein paar Worte will ich wohl darüber verlieren:

Wer mich kennt, weiss, dass ich die ganzen Diskussionen um gesundes Essen eher pragmatisch angehe. Extrem ist ungesund, egal auf welche Seite. Also finde ich für mich (und das muss jeder für sich selbst entscheiden), diese Art Würze hat seine Berechtigung, insbesondere wenn es um die Salatsauce aus meiner Kindheit geht. Denn da war Aromat einer der Hauptbestandteile, nebst Senf, Kräuteressig und Sonnenblumenöl.

Ich kann Euch aber versichern, dass ich im Umgang mit diesen Mitteln sehr, sehr sparsam bin. Ich würde nicht so weit gehen, wie dieser Artikel, in dem Glutamate schon beinahe als unschuldig entlassen werden. Ich bin im Prinzip gegen verindustrialisierte Lebensmittel, aber ich lebe nicht als Selbstversorger auf dem Lande, sondern in der Schweiz in und nahe der grössten Stadt. Auch ich esse in Restaurants zu Mittag, in denen nicht jede Sauce von Grund auf zubereitet wird. Auch ich erliege der Versuchung ein Fertigprodukt zu kaufen, obwohl es auf dem Beipackzettel vor E-dieses und E-jenes nur so wimmelt. Ich bin trotzdem überzeugt, mich ausgewogen zu ernähren.

Auf industriell gefertigtes Natriumglutamat kann man sicher verzichten, auf Glutamate generell aber nicht, denn die Natur bietet genügend Lebensmittel in denen Glutamate natürlich vorkommen. Dazu gehören vor allem (aber nicht nur) Tomaten, Pilze, Fleisch, Fisch und Milchprodukte.

Die Geschichte zeigt doch immer wieder, dass manchmal eine sog. Studie reicht, weshalb ein Lebens- oder Genussmittel verteufelt wird und es dann sehr lange dauern kann, bis nachgewiesen wird, dass alles bloss Mumpitz war. Ich kann heute noch nur den Kopf schütteln, wenn ich jemanden ein Omelett ohne Eigelb bestellen sehe!

Mit Toleranz und Eigenverantwortung wird man das gelbe Döschen nicht verteufeln, aber wer jedes Quartal drei Nachfüllpackungen braucht, sollte sich noch diesen Artikel zu Gemüte führen.

From → Uncategorized

17 Kommentare
  1. So! Endlich auf den Tisch gebracht – oder aus dem Gewürzschrank geholt: das Teufelszeug mit Glutamat!

    Lieber Andy, ich gehe ganz und gar mit dir einig. Im richtigen Moment (Kindheitserinnerungen) und auf jeden Fall zurückhaltend verwendet, kann man sich durch aus mit MSG (MonoSodiumGlutamat) anfreunden.

    In thailändischen Restaurants wird allerdings manchmal zuviel damit hantiert, so dass man schnell einmal lernt, mit «mai sai phong tschuu rot» (ohne Glutamat) zu bestellen.

    MIR hingegen ist mit Wohlgefallen das Fleur de Sel aus der Camargue, und noch besser: das Flor de Sal «D’ES TRENC» (von «der Insel»!!!) aufgefallen. Bravo!

    Mit kulinarischen Grüssen aus Fernost,
    FEL!X

  2. Manche Gerichte verlangen nach diesen Würzen. Das mag nicht objektiv sein, aber folgt einer nicht vergessenen Erinnerung an die Kindheit, die Küche der Mutter oder Großmutter. Ich horte eine Flasche Maggi, die nur bei einem einzigen Eintopf zum Einsatz kommt, aber dann ist es ein Muss!

    Gestern bekam ich das klassische Kochbuch der Schweizer Küche von Elisabeth Fülscher geschenkt. Wundervolle Bilder, verrückte Tipps und vor allem viel Aormat und Maggi!

    Liebe Grüße aus dem Ämmital
    Gerd

  3. Danke für diesen Artikel! Extreme aller Art sind zu vermeiden. Und wenn ich immer drüber nachdenken würde, was ich esse, dann dürfte ich in meinem geliebten China nicht mehr reisen. Obwohl: In China habe ich als einen meiner ersten kompletten Sätze gelernt: Ich möchte kein Glutamat. Der Gebrauch von Glutamat wird in den asiatischen Ländern gerne übertrieben. Und jeden Tag und immer und überall, das ist extrem. Andererseits darf Maggi in der Erbsensuppe nicht fehlen;)
    LG
    Ulrike

  4. Ich gehe ganz mit Dir konform – alles im richtigen Maß, das nennt man dann Ausgewogenheit.

  5. Basler Dybli permalink

    I ha sogar MNG dehai im Gwiirzkäschtli und bi gliicher Mainig wie dr Paracelsus:
    „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“
    Dr Räscht stoht bi „Behind the Scenes“.

    • Basler Dybli permalink

      P.S. zum Thema Gift …
      Lueg viilicht au (no) bi de Kommentär vo dr „Russische Creme“ verbii 😉

  6. turbohausfrau permalink

    Eine gelbe Dose habe ich auch in meinem Gewürzschrank, da ist allerdings Blakening-Gewürz drinnen, das ich eigenhändig aus den USA importiert habe. Allerdings findet sich damit in meinem Blog kein Rezept, weil das färbt alles so schön schwarz … 😉

  7. Ich gebe dir recht, es gibt viele Naturprodukte, in denen es ohnehin vorkommt (was im übrigen ja auch für die vielen E-…s gilt). Ich für mich selber versuche seit etwas über 3 Jahren weitestgehend ohne auszukommen und habe tatsächlich feststellen müssen, dass es meinen Geschmack beeinflusst – das mir also diese Fertigprodukte mit relativ viel Glutamat einfach nicht mehr schmecken, weil sie mir überwürzt vorkommen.
    Aber wie du schon schreibst, jedem das seine. Geschmäcker sind eben verschieden und wenn man es mag, spricht ja auch nichts dagegen es hie und da in Maßen zu verwenden 😉 Ich finde das nur dann problematisch wenn Leute irgendwann den natürlichen Geschmack überhaupt nicht mehr kennen, weil sie nur noch mit dem Zeug oder Fertigtütchen kochen, aber davon bist du ja ohnehin meilenweit entfernt 😉 Liebe Grüße, Tring

  8. Darauf ein hartgekochtes Ei mit Mayonnaise und Aromat. 😀

  9. Jaja, das Glutamat. Und das Chinarestaurant-Syndrom – Beulen, Jucken, Haar- und Zahnausfall nach dem Besuch eines Chinarestaurants. Jeder kennt wen, der das schon genau so erlebt hat. Wie bei allen ‚Urban Legends’…

    Im Geheimen sind ja die Italiener die Meister des Glutamats. Pasta mit Tomaten (Glutamat-Bombe), schwarzen Oliven (Glutamat-Bombe), Sardellen (Glutamat-Bombe), einem Schuss wunderbar altem, echten Aceto Balsamico Tradizionale (Glutamat-Bombe) und darüber alten Parmigiano Reggiano (Glutamat-Bombe) – ein Gulatamat-Schock, der jenen in einem chinesischen Restaurant um ein Vielfaches übertrifft. Und da vom Chinarestaurant-Syndrom betroffene dies meist anstandslos essen können, war’s beim Chinesen vielleicht doch eher eine Erdnuss- oder Meerestier-Allergie…

    Und auch Sterneköche sind höchst subversiv, wie war das bloss mit dem Tomatisieren eines Fonds? Schon wieder eine Menge Glutamat…

    Glutamat aus der Dose? Wie immer ist zu bedenken – wenn’s vorher nicht gut schmeckt, wird’s vielleicht intensiver, aber keinesfalls besser (eher ‚überwürzt‘). Und ein paar Glutamat-reiche, gut schmeckende Zutaten (siehe oben) gibt es auch sonst.

    Wir haben auch schon mal darüber geschrieben: http://kuechenreise.com/2012/08/07/sommerloch-glutamat-ist-tot-es-lebe-das-glutamat/

  10. Wieso solltest du sich schämen? Jeder wie er mag (solange er niemand anderen damit schadet). Finde ich jedenfalls und es ist dein Blog, deine Küche etc… Wenn man bei mir pingelig schauen würde, gäbe es bestimmt auch was zu meckern. So what?! 🙂
    Liebe Grüße aus Hamburg,
    Eva

  11. Schön, dass mal jemand so offen und ehrlich über das Thema berichtet! In meinem Küchenschrank findet man zwar kein Aromat, aber auch ich verbinde damit einige schöne Kindheitserinnerungen, wie zum Beispiel die „Aromat-Brötli“ meiner Oma, die ich stets so gerne hatte 🙂

    Ich persönlich sehe darin nichts falsches. Jedem das, was einem schmeckt! Ausserdem (wie von Felix treffend erkannt) finden sich in deinem Spice Board ja noch einige Juwelen, die das gelbe Döschen kompensieren 😉

  12. @all: Wow! Das ist mal ein Echo auf ein Posting! 🙂

    @FEL!X: Sich auf das Positive konzentrieren ist weise!
    @Toettchen: Das Fülscher ist ein Super Buch, gell !
    @Ulrike: Schön sind wir uns einig 🙂
    @Susanne: Ausgewogen – ein schönes Wort!
    @Peter: Dr. P. hat meistens recht … PS. … aber nicht immer 😉
    @Susi: Das wollen wir aber sowas von sehen 🙂 – unbedingt!
    @Tring: Schade, dass die Industrie uns den guten Geschmack nehmen will 😦
    @Cooketteria: Darauf stosse ich an … hicks … 😉
    @Küchenreise: Eben! 😉
    @Eva: So what? Indeed! 🙂
    @Marco: Hihihi … Aromat-Brötli 🙂 DAS hingegen gab’s bei uns nie

  13. Aromat? Oh ja, gibt es bei mir auch. Wird genau für zwei Dinge gebraucht: Salatsauce und Ostereier. 🙂

  14. Klasse, dass und wie du auf die Kommentare eingegangen bist, die das gelbe Döschen entdeckt haben.
    Und klasse, dass du dazu stehst!! Denn hin und wieder braucht man es einfach.

  15. @Henne: Wusst ich’s doch 😉
    @Eva: *rotwerd* – Danke Eva 🙂

  16. Ugs, Maggi! Daran knüpfe ich keinerlei positive Kindheitserinnerungen. Eigentlich gar keine, ich glaube, meine Mutter hat das überhaupt nicht verwendet. Es stand aber früher in jedem (österreichischem) Gasthaus, das etwas auf sich hielt, auf jedem Tisch. Suppenwürfel gab es bei uns schon. Beide Geschmäcker mag ich bis heute nicht.
    Aber, was Du in Deinem Küchenschrank hast, ist wirklich Deine Sache 😉
    Liebe Grüße, Jule

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: