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Züritüütsch – Zürich-Deutsch für Fortgeschrittene

17. April 2016

Böögg brennt

Ich nehme das Sechseläuten als Anlass, wieder mal einen kleinen Schweizerdeutsch Sprachkurs einzustreuen 🙂

Was ist Sächsilüüte?

Das heutige Sechseläuten geht auf drei unterschiedliche Wurzeln zurück: Zum Ersten auf die Zürcher Zünfte, die als politische, militärische, soziale und gewerbliche Institutionen über 450 Jahre die Geschicke der Stadt gelenkt und bestimmt haben. Sie bilden die Trägerschaft des Zürcher Frühlingsfestes. Die einstige Gewerbeordnung der Zünfte bestimmte die Arbeitszeiten der Handwerker. Damit hängt die zweite Wurzel des Sechseläutens zusammen: Im Sommer wurde mit dem «Sechs-Uhr-Läuten» das Ende der Arbeitszeit angezeigt, während im Winter aufgrund der Lichtverhältnisse nur bis fünf Uhr gearbeitet werden konnte. Schliesslich stellt ein heidnischer Brauch – das Verbrennen des Winters als Sinnbild für den Beginn der wärmeren Jahreszeiten – die dritte Wurzel dar.

Und ein paar Züritüütsch Ausdrücke🙂 :
aabandle: Wer stattdessen brachial anbaggert, muss sich nicht wundern, wenn er in die Grube fällt.
aagattige: Je sorgfältiger man es «aagattiget», desto besser hält das Fundament. Ob im Leben oder in der Liebe.
abefiile: Downhill war gestern – heute gilt «abefiile». Das klingt nicht nur sinnlicher, sondern auch schneller.
Bagaasch: «Bagaasch» klingt zwar edler als Gepäck, wenn aber ein Zürcher fragt: «Was haben Sie denn da für ein ‹Bagaasch?›», dann wissen Sie, dass Sie viel zu viel mit sich herumschleppen.
Bäne: Bauernslang für die rostige Mistkarre im Stall, eignet sich als Kurzform für Offroader in der Innenstadt.
Bibääbeli: Hat etwas Herzliches und ist sicher leichter zu ertragen als Weichling.
bigoscht: Man fragt sich zwar, was das sch bei Gott sucht, aber warum nicht wieder einmal «bigoscht» rufen, statt immer nur «what the f..k!»?
Blaascht: Wenn einer «Blaascht» erzählt, ist das kein Grund, «Shit» zu sagen. «Shit» kann man meist durch «Blaascht» ersetzen, nur nicht beim Rauchen.
Böögg: Dieser wird, in Form eines Schneemanns, am Sächsilüüte öffentlich verbrannt.
boosge: «Was häsch boosget?» ist genau die richtige Frage, wenn Grossmutter mit schwarzen statt weissen Haaren im Türrahmen steht und der Nachwuchs-chemiker behauptet, er hätte nur ein Experiment vorführen wollen.
buschper: Man geht immer noch «go fitä», aber mit etwas Glück kann man im Fitnessstudio auch heute noch manch «buschperen» Burschen antreffen.
chörble: Kein romantisierender Ausdruck für das Korbflechten, aber eine nette Umschreibung für das unfreiwillige Rückwärtsessen.
Diwan: Ein Sofa hat jeder, aber wer hat einen Diwan?
figureetle: Das «figureetle» ist mit Vorsicht einzusetzen, denn ein bisschen zu viel davon, und man landet bei einem kürzeren Wort.
Fisimatänte: Flausen, leeres Getue, Ausflüchte, Dummheiten? Dieses Wort müsste männlich sein.
Galööri: Der typische «Galööri» ist der Hooligan. Mangelnden Spielwitz kompensiert er mit Krawall.
Gänggelibüez: «Gänggelibüez», «Nifeliarbet», nichts, was sich lohnt, also schnell weiter.
hudle: Wenn es draussen «hudlet», kann es gut sein, dass man ganz «verhudlet» nach Hause kommt.
iiblaase: Hat mit Blasen rein gar nichts zu tun. Es ist im Gegenteil von Vorteil, wenn man beim Einflüstern das Blasen sein lässt.
kurios: Es darf ruhig auch einmal kurios statt strange zu- und hergehen.
Lamaaschi: Der «Lamaaschi» ist akut vom Aussterben bedroht, der Puls der Stadt macht ihm das Leben «schampar» schwer.
lässig: Eine echte Alternative zu «geil». Insbesondere älteren Zeitgenossen zu empfehlen . . .
Lüüchzgi: Bitte gib mir nie wieder den «Stabilo».
Mägerlimuck: Wer bei diesem Wort an Muckis denkt, nun, der ist leider rein­gefallen.
nodere: Wer zu viel in fremden Dingen «nodered», also herumwühlt, sollte mehr an Gotthold Ephraim Lessing denken: «Der Blick des Forschers fand nicht selten mehr, als er zu finden wünschte.»
Ofebrueter: Retrochic-Züritüütsch für den Couch-Potato, der laut Web folgendermassen definiert wird: «Das Klischee einer Person, die einen Grossteil ihrer Freizeit auf einem Sofa oder einem Sessel mit Fernsehen, Junkfood-Essen und Biertrinken verbringt.»
Plagööri: Wer heute ein richtiger «Plagööri» sein will, muss für seine Dissertation abschreiben. Ansonsten ist er schlicht ein Bluffsack.
plodere: Manchmal sollte man weniger «plodere». Also: «Lifere statt lafere».
Quadratesel: Wenn einer quadratisch denkt und dazu noch dumm ist, dann spricht man von einem Quadratesel.
ramisiere: Eigentlich hätte «ramisiere» schon längst zum Wort des Jahres gekürt werden sollen. Der Raffgier scheint ja kein Bonus gewachsen zu sein.
Rätschbäse: So, wie aus einem Aussendienstmitarbeiter ein Fieldagent wurde, aus dem Hauswart der Facilitymanager, wurde aus dem «Rätschbäse» der Whistleblower.
Sächsilüüte: Wenn es sechs(e) läutet (Sechseläuten), wird der Böögg verbrannt
semele: Wieso eigentlich immer joggen? Joggen tut ja jeder Joggel.
Sudel: Früher machte man zuerst einen Sudel, heute sudelt man ohne Entwurf einfach drauflos.
Schäiche: Hat meist nichts mit einem Scheich zu tun, aber wenn einem Scheich der «Schäiche» wehtut, darf er auch nachts in Kloten landen.
Schäslong: Lange muss man da studieren, bis man den Franzosen darin ­entdeckt.
schampar: Sagen Sie doch einfach mal schampar krass statt mega krass, das wäre doch schampar geil.
Schuumbüüle: Politisch korrekte Alternative zum angeschuldigten «Mohrenkopf». (Bitte den Begriff nicht gegenüber Personen verwenden.)
Schpatzig: Wenn ein Politiker eine Rede hält, hat er meist noch «Schpatzig», also Luft nach oben.
Tolgge: Heute zwar ohne Fülli und ­Feder nicht mehr möglich, doch so einen kann man trotzdem auf die weisse Weste kriegen.
tugge: Das Natürlichste der Welt, zahlen, zahlen und nochmals zahlen. Tugg, tugg, tugg tönt da doch viel rhythmischer.
tuttswitt: Subito auf Franco-Zürit­üütsch. Und das einfach ein bisschen charmanter.
uushünggele: Eine Abwechslung zum Wort «abzocken», das uns ein ständiger Begleiter geworden ist und bereits langweilt.
Viööndli: Lieblich für Veilchen. Dass der Furz verhüllend «Viööndli» genannt wird, schreibt das «Zürichdeutsche Wörterbuch», liege nicht am Duft.
Wöörtlichlüüber: Einer der Wörter kneift, der kann nur ein Pedant oder ein Masochist sein. Oder beides.
zämebrägle: Heute stürzen nicht nur Holzbeigen zusammen, sondern auch Aktien und sogar ganze Banken. Nichts ist «too big to brägel».

Natürlich fehlen da noch Ausdrücke wie Summervogel, Gfätti, boimig, schnüüze, Schnudderlumpe, Chlüppli, Sagmäälkurve, Bütschgi und vieles mehr.

Quelle: Dä Tagi (Tages Anzeiger, wo übrigens auch die Kommentare lesenswert sind🙂 )

Böögg

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8 Kommentare
  1. Antonia permalink

    Einfach herrlich !!!! Danke e grazie…. 😂

  2. Merci🙂 Bagage und Fissematentscher finden sich übrigens im Kölschen auch🙂

  3. witzig…
    die Bagaaasch / Bagage bezeichnet im wienerischen das faule Gesindel oder nichtsnutzige Pack…
    lg

  4. Jetzt wissen wir etwas mehr über das Schweizer (Bank) Sprachgeheimnis.

  5. brittakama permalink

    hach Andy, da sagst du was😀 Wenn mal richtig auf Schweizerdeutsch losgelegt wird, verstehen wir kein Wort mehr… ich erinnere mich noch an einige Messen in Zürich, bei denen ich die Aussteller betreute, als die ersten kamen und ihre „Uuusstelleruuuswiise“ wollten, hab ich schon etwas ratlos aus der Wäsche geschaut😀
    Aber nachdem ich die Schweizer als ausgesprochen freundlich und geduldig empfinde, wurde auch jedes Sprachproblem früher oder später mit einem netten Lächeln gelöst. Ich war immer sehr gerne in Zürich.

    Fisimatente haben wir übrigens auch hier in der Pfalz, der Ursprung geht hier auf die französische Besatzung zurück und kommt von „visite ma tente“😉

  6. Daanke für dieses Eintauchen lassen in alte Erinnerungen (ich höre Kasperli oder auch meine Grosseltern reden):) Auch als Ur-Zürcherin amüsant zu lesen… denn, bigoscht, ich hab heute weder gesagt, dass es “hudlet” draussen noch, dass ich gar nichts gegen einen Tag “Ofebrueter” sein hätte😉 Mein Liebling und noch immer in Gebrauch “Fisimatänte”… so liebevoll Seich machen, kann man nur in Zürich…

  7. @Antonia: Goldig, gell🙂
    @Tring: Kölsch fand ichschon immer cool!
    @Friederike: a geh … !😉
    @Tom: Aber das Geheimnis des Appenzeller’s geben wir nicht preis😉
    @Britta: Und wir lachen uns ins Fäustchen, wenn unsere „Geheimsprache“ nicht verstanden wird😉
    @Nicole: ischhalteifacheusiSpraach gäll😀

  8. Mein allererstes echtes Züridütsch-Wort brachte mir meine Freundin bei: Chrottebösch.
    Und mehr als 30 Jahre später verhilft mir dieses doch tatsächlich zu einem neuen Auftrag. „Schampar guet!“ seits Soledurner-Meitschi und dankt für dä härzig Itraag.

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