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Seppie in umido

Es wird jedes Jahr aufdringlicher. Dieses stumpfe, krampfhafte Abarbeiten der vermeintlichen Sünden, die man über die Feiertage begangen haben soll. Sorry, das waren keine Sünden, das war Hochgenuss, und ich bereue keine Sekunde davon. Allein schon, weil es mir völlig fremd ist, mich über die Feiertage gehen zu lassen und wie im Blutrausch wahllos Kalorien in mich hineinzustopfen. Ich kann auch über die Festtage Balance halten. Auf meinen Körper achten und zwischendurch mal eine Mahlzeit auslassen und dafür etwas Sport treiben. Ist ja nicht verboten. Warum also einen „Red January“, wo man sich einen Monat lang schinden soll? Oder warum soll ich einen Dry January einlegen, nur weil ich endlich mal Gelegenheit und viel Zeit hatte, zu guten Gesprächen und gutem Essen guten Stoff zu trinken?
Aber das Schlimmste ist dieser vermaledeite „Veganuary“. Mir kommt es vor, als ob sich ausgerechnet Menschen darin verbeissen, die eh völlig orientierungslos sind in Sachen Ernährung. Ums Verrecken soll man sich einen Monat lang einen kulinarischen Bussgürtel umschnallen. Uns geht es echt zu gut. Wir haben anscheinend keine anderen Probleme, also schaffen wir uns welche an.
Dass so ein veganer Monat extrem schwierig zu meistern ist für Leute, die sich ansonsten nicht vegan ernähren, liegt ja auf der Hand. Aber darüber zu jammern, ist anscheinend part of the game. Auf Social Media werden nicht nur hanebüchene Rezepte geteilt, sondern auch das gemeinsame Leid, das man gerade so tapfer durchzustehen versucht.
Natürlich sehen das auch die Nahrungsmittelindustrie, der böse Wolf, und die Supermärkte, seine Komplizen. Und die bieten selbstlos praktische Hilfe. Auf dem Lifestyle Portal des führenden Schweizer Einzelhändlers (übrigens, schon mal aufgefallen, wie viele Rezepte-. Gesundheits- und Lifestyle-Kanäle solche Unternehmen online und in Print bewirtschaften? Konsumentinnen und Konsumenten werden also nicht nur durch offene Werbung auf allen möglichen Frequenzen konstant mit Inhalten, die den Verkauf fördern, bombardiert …) entdecke ich einen Rettungsring für verzweifelte Veganuary-Junkies: Toll, heisst es da in der Anrede, dass du beim Veganuary mitmachst! Aber gell, ist gar nicht so einfach, sich jeden Tag vegan zu ernähren? Kein Problem, wir haben extra für Dich einen Wochen-Menüplan erstellt, den du kostenlos als PDF herunterladen darfst.
Natürlich habe ich mir die Menüvorschläge angeschaut. Sehr genau sogar. Vom Frühstück bis zum Abendessen inklusive Snacks und Süssem ist der ganze Tag für eine Woche abgedeckt. Fazit: Nicht ein einziges saisonales Schweizer Gemüse war auf dem Speiseplan! Kein einziges Wurzelgemüse, keine Kohlsorten, keine Randen, kein Rettich, keine Rüben, kein Wintersalat, kein Lagerobst, keine Walnüsse. Stattdessen: Kokos, Chiasamen, Mango, Cashewnüsse, Avocado, Ananas und jede Menge Kichererbsen und Tahini. Und natürlich die unsäglichsten und unnötigen Fleisch-, Fisch- und Käse-Ersatzprodukte. Damit es deutlich gesagt ist: Nie ist die Vielfalt von Schweizer Gemüsen, auch dank Lagergemüse vom Herbst, grösser als im Winter. Und die ignorieren das im Veganuary komplett.
So ist die einst eigentlich gute Initiative, mit dem Veganuary weltweit Menschen zu motivieren, weniger tierische Produkte zu konsumieren, schlussendlich nur zu einer weiteren stupiden Kommerzschlacht verkommen. Genauso wie Valentinstag, Ostern, Halloween oder Weihnachten.

😀 Danke, lieber Claudio, dass Du meine Gedanken so perfekt zu Papier gebracht hast!*

Zutaten:
für 4 Personen

1 kg Seppie, tiefgekühlt oder frisch
(alternativ kleine Polpi … oder mischen)
300 gr passierte Tomaten
500 gr Kartoffeln, geschält und grob gewürfelt
500 gr Erbsen
1 dl Weisswein
1 Knoblauchzehe, fein geschnitten
1 Peperoncino, fein geschnitten
1 TL Fenchelsamen, gemörsert
1 Bund glatte Petersilie
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl extra vergine

Zubereitung:

1. den Boden einer grossen Schwenkpfanne mit Olivenöl bedecken, erhitzen und es mit dem Knoblauch und dem Peperoncino aromatisieren
2. Seppie (und oder klein geschnittener Polpi) kurz darin anschwitzen. Mit Weisswein ablöschen, verdampfen lassen. Tomaten und Kartoffeln zugeben, alles mit Wasser bedecken, salzen und pfeffern und Fenchelsamen dazugeben
3. einmal aufkochen, dann zugedeckt bei kleiner Hitze 15 Minuten schmoren, Erbsen dazugeben und weitere 10 – 15 Minuten fertiggaren
4. Seppie mit einer Gabel anstechen, um sicherzugehen, dass sie weich sind. Andernfalls einfach weiterschmoren, bis sie wirklich weich sind
5. am Ende nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit gehackter Petersilie bestreuen und mit Olivenöl beträufeln

Und das knusprige Brot zum Auftunken der Sauce bitte nicht vergessen!

*aus Claudio del Principe’s a casa 2

Grapefruitsalat

„Ein besonders leichter Salat, ohne Öl und Essig“ hiess es zu diesem Rezept aus Marianne Kaltenbach ’s Kreativ Kochen. Das Buch erschien 1978 und ich blättere es auf der Suche nach Inspirationen alle Schaltjahre mal durch.

Jetzt ist zwar kein Schaltjahr, aber ein leichter Salat ist doch immer willkommen. Und dazu schmeckt er überraschend gut, trotz dem unkonventionellen Dressing!

Die Cashews gehören nicht ins Original Rezept, aber weil ich die Cashews von hier liebe (und gleichzeitig Gutes tue), schmuggle ich sie öfters mal in Rezepte rein!

Zutaten:
kleine Vorspeise für 4 Personen

2 grosse Grapefruits
1/2 Schalotte
1/2 TL scharfer Senf
8 schwarze Oliven
Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
ein paar Cashew Kerne, gehackt

Zubereitung:

1. die Grapefruits schälen und filetieren, den Saft auffangen. Die Schalotte in feine Streifen schneiden
2. Senf und aufgefangenen Grapefruitsaft gut verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen. Alles gut mischen
3. die Oliven halbieren und entsteinen und über den Salat verteilen, ebenso die gehackten Cashews

kurze Paccheri mit Schwarzkohl

Böse Zungen mögen vielleicht behaupten, ich schnalle den Gürtel im Januar enger. Aber mal abgesehen davon, dass ein solcher Teller das Budget nicht bei vielen aus dem Gleichgewicht verbringen mag, es schmeckt halt einfach richtig gut!

Und ich hoffe, ihr habt euch über die Festtage soweit gut verhalten, dass ihr nicht schon beim Gedanken an Pasta an eine Kalorienbombe denkt. Denn die letzte Bombe auf dem Tisch war höchstens die Tischbombe an Silvester 😉

Und ihr wisst ja, al dente gekochte Pasta ist viel bekömmlicher als verkochte!

Zutaten:
für 4 Personen

800 gr Schwarzkohl
Olivenöl
ein paar feine Scheiben Knoblauch
Peperoncini nach Geschmack
Salz und Pfeffer
ein paar Löffel Ricotta
Paccheri rigati (oder andere Pasta)

Zubereitung:

1. den Cavolo nero (Schwarzkohl) 15 Minuten im Salzwasser blanchieren. In der Zwischenzeit etwas Olivenöl in einer Schwenkpfanne erwärmen und mit Knoblauchscheiben und gehackten Peperoncinischoten aromatisieren.
2. das Gemüse tropfnass dazugeben und kurz erhitzen, dann salzen und pfeffern. Alles mit ein paar Löffeln Ricotta fein mixen
3. die Pasta sehr al dente kochen, zum pürierten Cavolo nero in die Pfanne geben und sie dort 3 – 4 Minuten fertig garen. Sie soll sich richtiggehend vollaufen lassen mit diesem betörenden Grün
4. auf Teller verteilen und mit gezupftem Mozzarella di bufala (oder ein paar Klecksen Ricotta) aufpeppen

Grazie Claudio (del Principe) – auf Dich kann man sich auch dieses Jahr wieder verlassen! Und sein Buch „a casa 2“ 🙂

unsichtbarer Apfelkuchen

Ein Apfelkuchen, der unsichtbar ist, passt perfekt in die Zeit, wo mann/frau eigentlich auf Süssigkeiten aller Art verzichten möchte 😉

Weil der Teig eigentlich nur erahnt werden kann und der Rest aus wunderbar weichgeschmorten Apfelschichten und etwas Streusel besteht, wurde dieser aus Frankreich stammende Kuchen wohl „Gâteau invisible“ genannt. Aber man schmeckt ihm seine Unsichtbarkeit nicht an … im Gegenteil.

Ich habe noch einen Klecks Salzkaramell dazugelegt (aber nötig wäre das nicht gewesen).

Sollen die anderen den Dreikönigstag doch mit ihrem üblichen Kuchen feiern 😇

Zutaten:
für eine Cakeform von 25x11cm

Streusel
60 gr Mehl
2 EL brauner Zucker
2 EL kalte Butter
2 EL Mandelscheibchen

„Kuchen“
4 Eier (M)
65 gr Zucker
130 gr Mehl
1/4 TL Zimt
1 dl Milch
80 gr Butter, geschmolzen
5 Äpfel (ich: Boskop)

Zubereitung:

Streusel
1. für die Streusel das Mehl und den Zucker in einer Schüssel mischen. Die kalte Butter in Stücken dazugeben und mit den Fingern Mehl und Butter verreiben, bis sich schöne Streusel bilden. Die gehobelten Mandeln dazugeben und vermischen – bis zur weiteren Verwendung in den Kühlschrank stellen
Kuchen
2. den Ofen auf 180° C vorheizen. Eine Kastenform (etwa 23x12cm) leicht einfetten und mit Backpapier auslegen. Das Papier sollte auf allen Seiten überlappen, damit man den Kuchen später leicht aus der Form heben kann. Zur Seite stellen. Die Butter schmelzen und etwas abkühlen lassen
3. die Eier mit dem Zucker in einer grossen Schüssel schaumig schlagen. Mehl und Zimt dazugeben und unterrühren. Milch und geschmolzene Butter dazugeben und unterrühren. Zur Seite stellen
4. die Äpfel schälen, vierteln und entkernen. Die Äpfel in sehr dünne Scheiben schneiden und in die Schüssel mit dem Teig legen – die Scheiben sollte möglichst dünn sein, aber sollten nicht zerbrechen, also vorsichtig arbeiten. Die Apfelscheiben sollen komplett mit dem Teig bedeckt sein. Die einzelnen Scheiben in Lagen in die vorbereitete Form schichten. Je gleichmässiger die Schichten sind, umso besser
5. wenn alle Äpfel in der Form sind, die Streusel darauf verteilen und dann für etwa 45 Minuten backen. Sollten die Streusel zu dunkel werden, mit einem Stück Alufolie abdecken. Den fertigen Kuchen aus dem Ofen holen und komplett abkühlen lassen

Damit sich der Kuchen gut schneiden lässt, vor dem Servieren für etwa 2 Stunden in den Kühlschrank stellen.

gedämpfte Aubergine mit Chili

FEL!X will mit Zorra’s Hilfe mit Volldanmpf ins neue Jahr!

Das könnt ihr haben! Hier kommt eine Aubergine frisch aus dem Dampfgarer und das macht sie ganz geschmeidig und mollig weich – herrlich. Das Dressing hat es zwar in sich, aber sogar die sehr schärfe-empfindliche beste Ehefrau von allen brachte als Fazit nur ein wohliges „lecker“ über die Lippen.

Blog-Event CXCII - Mit Volldampf ins neue Jahr - alles gedämpft! (Einsendeschluss 15. Januar 2023)

Der hier im Hintergrund gezeigte Chilean Seabass könnte getrost weggelassen werden. Dann erhöht man die Menge an Aubergine etwas und serviert z.B. weissen Reis dazu – auch grossartig!

Zutaten:
für 4 Personen

2 Auberginen, in 1 cm Stäbchen geschnitten
0,5 dl helle Sojasauce
0,5 dl schwarzer Chinkiang-Essig
0,7 dl Chili-Öl, mit etwas knusprigem Bodensatz
1 EL Zucker
1 EL Erdnussbutter
4 Knoblauchzehen, sehr fein gehackt
1 Frühlingszwiebel, fein gehackt
2 EL Pflanzenöl

Zubereitung:

1. die Auberginenstangen in zwei ordentlichen Reihen in eine Schale stapeln, die in den Dampfgarer passt. Die Schale in den Dampfgarer stellen und bei starker Hitze dämpfen, bis die Auberginen weich sind (etwa 12-15 Minuten).
2. in der Zwischenzeit die helle Sojasauce, den Essig, den Zucker, das Chili-Öl und die Erdnussbutter verrühren, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat
3. die Aubergine aus dem Dampfgarer nehmen und das Wasser, das sich in der Schale gesammelt hat, abgiessen. Die Aubergine trocken tupfen und auf einer Servierplatte anrichten, dann mit dem Dressing übergiessen. Den gehackten Knoblauch und die Frühlingszwiebeln gleichmässig über die Auberginen verteilen
4. zum Schluss das Pflanzenöl in einer kleinen Pfanne rauchheiss erhitzen und vorsichtig über den Knoblauch und die Frühlingszwiebeln giessen. ACHTUNG, es brutzelt, zischt und kann spritzen

Sofort servieren (z.B. mit weissem Reis) und beim Essen alles gut mischen.