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Seppie in umido

16. Januar 2023

Es wird jedes Jahr aufdringlicher. Dieses stumpfe, krampfhafte Abarbeiten der vermeintlichen Sünden, die man über die Feiertage begangen haben soll. Sorry, das waren keine Sünden, das war Hochgenuss, und ich bereue keine Sekunde davon. Allein schon, weil es mir völlig fremd ist, mich über die Feiertage gehen zu lassen und wie im Blutrausch wahllos Kalorien in mich hineinzustopfen. Ich kann auch über die Festtage Balance halten. Auf meinen Körper achten und zwischendurch mal eine Mahlzeit auslassen und dafür etwas Sport treiben. Ist ja nicht verboten. Warum also einen „Red January“, wo man sich einen Monat lang schinden soll? Oder warum soll ich einen Dry January einlegen, nur weil ich endlich mal Gelegenheit und viel Zeit hatte, zu guten Gesprächen und gutem Essen guten Stoff zu trinken?
Aber das Schlimmste ist dieser vermaledeite „Veganuary“. Mir kommt es vor, als ob sich ausgerechnet Menschen darin verbeissen, die eh völlig orientierungslos sind in Sachen Ernährung. Ums Verrecken soll man sich einen Monat lang einen kulinarischen Bussgürtel umschnallen. Uns geht es echt zu gut. Wir haben anscheinend keine anderen Probleme, also schaffen wir uns welche an.
Dass so ein veganer Monat extrem schwierig zu meistern ist für Leute, die sich ansonsten nicht vegan ernähren, liegt ja auf der Hand. Aber darüber zu jammern, ist anscheinend part of the game. Auf Social Media werden nicht nur hanebüchene Rezepte geteilt, sondern auch das gemeinsame Leid, das man gerade so tapfer durchzustehen versucht.
Natürlich sehen das auch die Nahrungsmittelindustrie, der böse Wolf, und die Supermärkte, seine Komplizen. Und die bieten selbstlos praktische Hilfe. Auf dem Lifestyle Portal des führenden Schweizer Einzelhändlers (übrigens, schon mal aufgefallen, wie viele Rezepte-. Gesundheits- und Lifestyle-Kanäle solche Unternehmen online und in Print bewirtschaften? Konsumentinnen und Konsumenten werden also nicht nur durch offene Werbung auf allen möglichen Frequenzen konstant mit Inhalten, die den Verkauf fördern, bombardiert …) entdecke ich einen Rettungsring für verzweifelte Veganuary-Junkies: Toll, heisst es da in der Anrede, dass du beim Veganuary mitmachst! Aber gell, ist gar nicht so einfach, sich jeden Tag vegan zu ernähren? Kein Problem, wir haben extra für Dich einen Wochen-Menüplan erstellt, den du kostenlos als PDF herunterladen darfst.
Natürlich habe ich mir die Menüvorschläge angeschaut. Sehr genau sogar. Vom Frühstück bis zum Abendessen inklusive Snacks und Süssem ist der ganze Tag für eine Woche abgedeckt. Fazit: Nicht ein einziges saisonales Schweizer Gemüse war auf dem Speiseplan! Kein einziges Wurzelgemüse, keine Kohlsorten, keine Randen, kein Rettich, keine Rüben, kein Wintersalat, kein Lagerobst, keine Walnüsse. Stattdessen: Kokos, Chiasamen, Mango, Cashewnüsse, Avocado, Ananas und jede Menge Kichererbsen und Tahini. Und natürlich die unsäglichsten und unnötigen Fleisch-, Fisch- und Käse-Ersatzprodukte. Damit es deutlich gesagt ist: Nie ist die Vielfalt von Schweizer Gemüsen, auch dank Lagergemüse vom Herbst, grösser als im Winter. Und die ignorieren das im Veganuary komplett.
So ist die einst eigentlich gute Initiative, mit dem Veganuary weltweit Menschen zu motivieren, weniger tierische Produkte zu konsumieren, schlussendlich nur zu einer weiteren stupiden Kommerzschlacht verkommen. Genauso wie Valentinstag, Ostern, Halloween oder Weihnachten.

😀 Danke, lieber Claudio, dass Du meine Gedanken so perfekt zu Papier gebracht hast!*

Zutaten:
für 4 Personen

1 kg Seppie, tiefgekühlt oder frisch
(alternativ kleine Polpi … oder mischen)
300 gr passierte Tomaten
500 gr Kartoffeln, geschält und grob gewürfelt
500 gr Erbsen
1 dl Weisswein
1 Knoblauchzehe, fein geschnitten
1 Peperoncino, fein geschnitten
1 TL Fenchelsamen, gemörsert
1 Bund glatte Petersilie
Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Olivenöl extra vergine

Zubereitung:

1. den Boden einer grossen Schwenkpfanne mit Olivenöl bedecken, erhitzen und es mit dem Knoblauch und dem Peperoncino aromatisieren
2. Seppie (und oder klein geschnittener Polpi) kurz darin anschwitzen. Mit Weisswein ablöschen, verdampfen lassen. Tomaten und Kartoffeln zugeben, alles mit Wasser bedecken, salzen und pfeffern und Fenchelsamen dazugeben
3. einmal aufkochen, dann zugedeckt bei kleiner Hitze 15 Minuten schmoren, Erbsen dazugeben und weitere 10 – 15 Minuten fertiggaren
4. Seppie mit einer Gabel anstechen, um sicherzugehen, dass sie weich sind. Andernfalls einfach weiterschmoren, bis sie wirklich weich sind
5. am Ende nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit gehackter Petersilie bestreuen und mit Olivenöl beträufeln

Und das knusprige Brot zum Auftunken der Sauce bitte nicht vergessen!

*aus Claudio del Principe’s a casa 2

From → Rezepte

5 Kommentare
  1. Lieber Claudio – und Andy,
    stimme dir/euch voll und ganz zu.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Short Ribs sous vide | lieberlecker

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